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    Weihnachtsmeditation 2008

    Eingehüllt in einen warmen Pelz, die rote Mütze tief ins Gesicht gezogen, einen schweren Sack über der Schulter, angefüllt mit lauter hochwertigen Geschenken-

    Weihnachten war nahe- so war er heute noch unterwegs- es musste wohl sein, es war immerhin sein Geschäft und er wurde gut bezahlt als Weihnachtsmann-.

    Die Villa der reichen Geschäftsleute, zu der er noch unterwegs war zu vorgerückter Stunde, war nicht weit weg. Um den Weg zu verkürzen, ging er über ein Feld.

    Da fiel ihm ein schwacher Lichtschein auf, ganz ungewöhnlich in dieser Gegend.

    So ging er dem Lichte nach und merkte bald, dass das Licht aus einer Felsengrotte kam, das in der Gegend Tiere als Unterstand benützten. Sich seiner Würde bewusst, betrat er breitspurig das Innere der Höhle, nachdem er einen Bretterverschlag zur Seite geschoben hatte. Aber was sah er da? Saß dort nicht im Dämmerlicht eine junge Frau

    in einem Heuhaufen und stand dort hinter ihr nicht ein Mann? Sein Kommen schienen sie nicht bemerkt zu haben. Irgend etwas musste ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehn.

    Jetzt konnte auch er es sehn. In einem Futtertrog, aus dem die Tiere fressen, beinahe ganz verdeckt mit Heu, rührte sich etwas. War da nicht ein Gesichtchen und waren da nicht winzige Hände? Tatsächlich, da lag ein Kind und es hatte ganz den Anschein, als sei es soeben auf die Welt gekommen. Schnell wollte er sich zurückziehn, die intime Stimmung wollte er nicht stören. Er passte da auch wirklich nicht herein mit seinem Geschäft.

    Irgendetwas hielt ihn aber fest. Ganz gefühllos hatte ihn sein Geschäft noch nicht gemacht. Hier war etwas, das er noch nie erlebt hatte: Da war eine Stille, die tat unendlich gut- in seiner schrillen, schillernden Welt gab es dass nicht,- und ein Friede breitete sich hier aus, er konnte sich der Tränen kaum erwähren und bei aller Ärmlichkeit der Höhle mit dem Geruch der Tiere und Spinnengewebe rundum eine solche Freude in den Gesichtern, man könnte es tatsächlich eine Seligkeit nennen.

    Und mitten drinnen er, der Weihnachtsmann, aus einer völlig anderen Welt, so kam er sich vor.

    Und dann das Kind: Es schaute ihn wirklich an mit seinen arglos guten Augen.

    Am liebsten hätte er hier seinen Sack ausgeleert aber das passte wohl hier nicht herein, erschien plötzlich wie ein nutzloser Kram.

    Gerne wäre er noch geblieben- irgendwie war ihm hier die Zeit stehen geblieben- jetzt musste er aber gehen. Es war ihm, als hätte er zum ersten Mal Weihnachten erlebt.

    Abt Otto Strohmaier

           

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