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    Weihnachtsmeditation 2012

    Von der Existenz dieses geheimnisvollen Bildes wußte ich aus dem Internet. Ein deutscher Journalist beschreibt es dort als seine große Entdeckung, zu finden in Rom, auf dem Monte Mario, versteckt hinter den Klostermauern von Dominikanerinnen, die in strenger Klausur leben. Ich hatte mir vorgenommen, während des Äbtekongresses ? einer Versammlung aller Benediktineräbte der ganzen Welt- diese und auch andere sehr alte Marien-Ikonen in Rom aufzusuchen. Ausgerechnet in Rom und im Katharinenkloster auf dem Sinai haben sich die allerältesten Ikonen erhalten, etwa aus dem 5. oder 6.Jahrhundert.
    Am Samstag, 22.9. am Nachmittag machte ich mich auf den Weg, zunächst mit der U-Bahn und dann zu fuß, nachdem ich mich telephonisch bei einer Schwester angemeldet hatte. Es war ein sehr warmer, schwüler Nachmittag und der Fußweg viel weiter als ich annahm. Ermattet und reichlich verspätet komme ich auf dem gar nicht so niedrigen Hügel an und stehe wider Erwarten plötzlich vor dem ?Convento? der Dominikanerinnen. Schließlich fand ich sogar die Tür zum Kloster und eine Stimme weist mir den Weg, zunächst durch zwei verschlossene Türen, die sich öffnen- dann steh ich vor dem hohen eisernen Kirchentor, ein wenig hilflos. Doch innen bewegt sich etwas und das Tor geht langsam auf. Vor mir steht eine alte, sehr freundliche Schwester, die mich einläßt. Wir gehen in der kleinen Kirche nach vor, bis vor ein Gitter an der linken Seite. Dahinter ist der Chorraum der Schwestern.? Hier ist es?, sagt die Schwester und deutet auf ein ganz dunkles Bild hinter dem Gitter. Ich kann nur Dunkel sehn und überhaupt kein Gesicht wahrnehmen und bin enttäuscht. ?Man muß es wenden? sagt die Schwester und dreht das Bild um und da sehe ich sie jetzt, die ich gesucht habe. Vor mir ist ein unglaublich lebendiges Gesicht, eine solche Leuchtkraft der Farben. Jugendlich und frisch, wie sonst auf Ikonen kaum und dies gewiß eine der ältesten Darstellungen Mariens, vielleicht überhaupt die älteste als Ikone. Während sonst alle Farbe abgebröckelt ist, das Kleid und auch die Hände, ist das Gesicht unversehrt und klar erhalten. In diesem Gesicht voller Leben und diese Augen voller Tiefe, das eine Auge in Sorge, das andere hoffend - so wird gesagt- wollte sie selbst uns über die Jahrtausende hinweg begegnen können. Nicht ohne tiefe Bewegtheit stehe ich vor dem Bild in Stille, konnte es auch photographieren. Die Arme, soweit davon etwas zu sehn ist, sind zur Seite gehalten. Dies ist die Haltung der Fürbitte. Darum wird sie auch die Advocata, die Herbeigerufene genannt. Die Schwester war weggegangen mit der Bemerkung, ich sollte läuten, wenn ich gehen möchte. So geschah es dann auch. Ich läutete, sie kam, erzählte mir noch viel von sich, ich segnete sie und ging meine Wege, wie jemand, der etwas sehr Kostbares gefunden hatte.

           

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