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    Ostermeditation 2014

    Ich habe ihn gesehn


    Gerade war ich auf dem Weg, hinüber zum Garten, wo sie ihn begraben hatten. —
    Da kam sie mir entgegen, eine Frauengestalt, sehr rasch unterwegs, beinahe laufend. —
    Ich grüßte sie freundlich und wagte es, sie aufmerksam anzusehn und redete sie an. —
    Unbekannt war sie mir ja nicht, da sie zum Kreis um Ihn gehörte. —
    „So eilig unterwegs am frühen Morgen ?“ —
    Da schaute sie mich an- diesen Blick werde ich nie mehr vergessen. —
    In ihren Augen war eine Ergriffenheit oder wars ein Schrecken —
    ein Leuchten, eine solch unbeschreibliche Freude --
    noch nie habe ich solche Augen gesehn. —
    Und dies in einem Gesicht, das eben noch aufgelöst schien vor Schmerz und Verzweiflung, --
    Was sie denn hätte, wo sie denn herkäme, was denn geschehn sei —
    wagte ich sie schließlich doch zu fragen. –
    Etwas Unglaubliches, Unfaßbares mußte geschehn sein, mußte sie eben erlebt haben. —
    Zunächst sagte sie nichts, stand nur da, konnte offensichtlich nicht reden —
    aber die Augen-so schien es mir- wurden immer größer —
    ich konnte ihre Klarheit fast nicht aushalten —
    schließlich aber, nach einem Schweigen, das so voll war –
    in einer irgendwie fremden Sprache – klar und fest: --
    „Ich habe Ihn gesehn.“ —
    In diesem Wort war sie selbst, es kam ganz und gar aus ihr. –
    Alles an ihr, ihre umhüllte Gestalt, vor allem das Gesicht –
    auch Körper und Hände: Alles sagte nur das Eine: Ich habe Ihn gesehn. --
    Plötzlich war sie weg, eilte weiter und ich blieb lange stehn. —
    Ihre Worte aber blieben: --
    „Ich habe ihn gesehn.“ —



    Ostermeditation 2014
    em. Abt Otto Strohmaier OSB, St. Lambrecht

           

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