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„Was haben Gehen, Weben, Beobachten, Singen, Erzählen, Zeichnen und Schreiben gemeinsam? (..) All diese Tätigkeiten verlaufen entlang der einen oder anderen Art von Linie.“ (Tim Ingold, Sozialanthropologe)

Biografien verlaufen, wie das Leben selbst, entlang von Linien: Punkte und Stationen, Ereignisse und Ziele werden gereiht, verschnörkelt, beiseitegelassen, aus dem Gedächtnis gestrichen – und verbunden. Geradlinig? Mitnichten. Der vom Gurgeln der Kaffeemaschine begleitete Gesang der Mutter folgte anderen Klanglinien als das Flötenstück, an dem wir uns im Musikunterricht abarbeiteten. Der „Zeitstrahl“ im Geschichtsbuch scheint das Leben meiner Vorfahren nur ab und an gestreift zu haben, aber ihre Erzählfäden reißen nicht ab und reichen unübersichtlich bis in mein Dasein hinein. Die Pfade in die Welt der Toten bei den Tschuktschen in Sibirien sind mäandernd, unsere Handschrift ist es oft ebenso. Kalligrafen wissen, welche spirituelle Kraft in der Schönheit der Linie liegt. Lineal und Beamer im Unterricht, steh und sitz gerade! Sind Lebenslinien wie schwankende Drahtseile oder nicht auch weiche, sonnenwarme Pfade? Lebenslinien als Entwürfe und auch schon Spuren, die wir gerne hinterlassen würden.

In dieser Schreibwerkstatt wenden wir uns biografischen Themen ebenso zu wie der kreativen und hilfreichen, gar heilenden Rolle des Schreibens in unserem Leben. Das Kloster, Natur, Bewegung und Literatur inspirieren und unterstützen uns, gerade am Ende des Jahres, unsere Lebenslinien nachzuzeichnen, sie auszuschmücken oder ihnen gar eine weitere, neue Wendung zu geben. Geradlinig? Mitnichten.

Denn am Anfang war das Wort.

Und auch das Wort ist Linie.

Start: 09.12.2022 17:00 Uhr
Ende: 11.12.202213:00 Uhr
Kosten: 150,-
Leitung: Mag.a Sabine Kroissenbrunner
Eventnummer: K207
Kategorie: Kreativitätsschule